Leer wird in der Nachspielzeit bestraft
Bitterer Nachmittag für den SV Westfalia Leer. Im Duell der beiden A-Liga-Aufsteiger musste Gastgeber Westfalia in einem kampfbetonten Spiel eine schmerzhafte 2:3 (2:2)-Niederlage gegen den FC Schwarz-Weiß Weiner hinnehmen. Das Team um Westfalias Trainer Michael Straube bleibt somit auch nach dem dritten Spieltag noch ohne Punktgewinn.
Allerdings war es ein Match, in dem Leer mehr verdient hatte. "Wir liefern gute Spiele ab, laden den Gegner jedoch durch dumme Fehler immer wieder zu Toren ein. Uns fehlt derzeit das Spielglück", haderte Michael Denkler, Vereinsvorsitzender und Mitglied des Trainerteams, mit dem Schicksal. Mehr noch.
Dem SVW fehlt derzeit nicht nur das Spielglück. Am Sonntag erweckte es vielmehr den Anschein, als hätte sich der Fußballgott komplett gegen die Heimmannschaft verschworen. 1:0 geführt, danach dezimiert durch eine Rote Karte, trotzdem das 2:0 nachgelegt, dann das 2:2 und in der Nachspielzeit sogar noch den Treffer zum 2:3 kassiert – und als ob diese Dramaturgie nicht schon ausgereicht hätte, um einen verhagelten Nachmittag abzuhaken, wurde die Partie von einer schweren Verletzung überschattet, denn in der 56. Minute zog sich Leers Julian Krawczyk fünf Minuten nach seiner Einwechslung einen Riss der Achillessehne zu. Es sind in jeder Hinsicht schwere Zeiten, die Westfalia schon in den ersten Wochen der neuen Saison durchlebt.
Dabei begann die Partie im Stadion am Leerbach verheißungsvoll für die Gastgeber. In der sechsten Minute vermochte Weiners Keeper Jan Peters nach einem Freistoß den Ball nicht festzuhalten. Josch Gerdes war zur Stelle und köpfte ein zur 1:0-Führung. Der nächste Aufreger folgte in der 25. Minute. Nach einem langen Schlag von Weiners Romano Bradara kam Jeton Kadrija an den Ball. Leers Henning Eweler wusste sich nur durch eine "Notbremse" zu helfen und sah anschließend Rot.
Leer hatte diesen Rückschlag jedoch schnell verkraftet, denn in der 31. Minute versenkte Timo Selker den Ball ins lange Eck zum 2:0. Doch es war eine trügerische Führung. "Nach dem Platzverweis hat sich das Blatt gewendet. Es war die Schlüsselszene", befand Weiners Sportleiter Bastian Roters. Das Zustandekommen des Anschlusstreffers war eine Kopie jener Szene, die wenige Minuten zuvor zum Platzverweis geführt hatte. Nach einem weiten Pass in die Spitze von Bradara und anschließender Kopfballverlängerung blieb Kadrija stabil und traf in der 36. Minute zum 1:2.
Unmittelbar vor dem Seitenwechsel folgte der Ausgleich für die Elf von Weiners Chefcoach Thomas Overesch. Nach einem Eckstoß konnte Leer die Gefahr vor dem eigenen Tor nicht bereinigen. Weiners Jan Vollenbröker war zur Stelle und stocherte das Leder zum 2:2 über die Linie.
Die zweite Halbzeit wurde hüben wie drüben intensiv geführt. Alles schien auf ein Remis hinauszulaufen – bis zur zweiten Minute der Nachspielzeit. Nach einer Flanke aus dem Halbfeld von Weiners Gerrit Löcker bugsierte Romano Bradara mit dem Rücken zum gegnerischen Tor stehend die Kugel per Kopfball-Lupfer über Westfalias Keeper Maurice Telgmann hinweg zum glücklichen 3:2 in die Maschen. Für SW Weiner war es zugleich der erste Saisonsieg. "Ein Unentschieden wäre vielleicht das gerechtere Ergebnis gewesen", lautete der faire Schlusskommentar von Bastian Roters.
